Schulgipfel – Konzept zur Entwicklung einer leistungsfähigen Schullandschaft

Über die Schulentwicklungsplanung gibt es immer weider Streit in der Stadt. Schulen werden auf die Liste der zu schließenden Schulen gesetzt, es kommt zu Protesten, wieder andere Schulen kommen auf die Liste. Eine klare Linie der die Schulentwicklungsplanung ist nicht zu erkennen. 6,6 Mio. will die Stadt einsparen um den Haushalt zu konsolidieren, in dem sie bis zu 20 Schulen schließt.

Der Sanierungsstau bei den Schulgebäuden liegt mittlerweile bei ca. 300 Mio. Euro. Zustand und Ausstattung vieler Schulen sind für die Stadt peinlich und blamabel. Die Vernachlässigung der Bildung durch Politik und Verwaltung bleibt nicht folgenlos.

Es wir Zeit, dass eine Konzeption zur Entwicklung einer leistungsfähigen Schullandschaft gefunden wird. Am Beispiel der Grundschulen hier ein Denkanstoß:

Ausgangspunkt 
Aufgrund des Bevölkerungs- schwundes gehen die Schülerzahlen in Bochum deutlich zurück (um 800 Schüler von 2010 (12.100) -2020 (11.300)). Alle Schulstandorte lassen sich mangels Schülern in den Klassen bei adäquatem Personal- und Mitteleinsatz zukünftig nicht mehr leistungs- fähig betreiben (siehe Plan 1, Legende).

Die Schullandschaft lässt sich in Bochum in 8 selbständige Schulbereiche (siehe Plan 3, Legende) aufteilen. Diese werden abgegrenzt durch die Autobahnen, Schnellstraßen und die Bezirksgrenzen, zwischen denen aufgrund der Barrierenwirkung der Straßen oder der historischen Entwicklung der Bezirke nur ein geringer Austausch von Schülern stattfindet. So endet der Einzugsbereich der Schulen regelmäßig an den Straßen oder den Grenzen (Ausnahmen: Sonnenschule, Voedeschule).

Generelle Ziele
Einleitung von Maßnahmen gegen den Bevölkerungsschwund, insbesondere die Entwicklung einer überregional anerkannten leistungsfähigen Schullandschaft, die Familien dazu anreizt in Bochum zu wohnen bzw. wohnen zu bleiben.Entwicklung von leistungsfähigen Schulstandorten durch Reduzierung der Standortzahl, damit die Schüler an den verbleibenden Standorten unter optimalen Bedingungen unterrichtet werden können.

Grundsätze
Die Einsparungen, die durch eine Reduzierung der Schulstandorte erreicht werden, müssen vollständig in die verbleibenden Standorte investiert, da bei den Schulen aktuell ein Sanierungsstau von mind. 200 Mio. EUR besteht. Einsparungen sollen nicht zur Sanierung des städt. Haushaltes eingesetzt werden.

Die Beteiligten (Eltern, Lehrer, Schüler) selbst sollen entscheidend daran mitwirken, einen Konsens zu finden, welche Schulstandorte aufgegeben werden und wie die Schullandschaft zukünftig aussehen soll. Nicht die Schulverwaltung soll unter Mithilfe der Politik über die Schließung von Schulen allein bestimmen.

Kriterien zur Entwicklung der zukünftigen Schullandschaft
–  Jedes Kind soll eine Grundschule fußläufig in angemessener Zeit erreichen können (Schulweg max. 1-1,5 km).
–  Die Schulstandorte der zukünftigen Schullandschaft sollen engagierte Schulprogramme verfolgen.
–  Es sollen primär Schulgebäude aufgegeben werden, bei denen ein erheblicher Sanierungsstau besteht.
–  Es sollen primär Schulgebäude erhalten bzw. ausgebaut werden, deren Kapazität, mind. zwei, wenn möglich drei- bis vierzügige Schulen zulassen.
–  In den Eingangslassen sollen mind. 20, max. 28 Schüler in einer Klasse unterrichtet werden.

Wenn das Ziel verfolgt wird, die Stadt flächendeckend mit Grundschulen abzudecken, ergeben sich Standorte, die aufgrund von Flächen, die diese als einzige Schule abdecken, nur schwer aufgegeben werden können (Pläne 1 und 2, Schulstandorte, gekennzeichnet mit schwarzen Dreiecken).

Schulgipfel – Ablauf zur Entwicklung einer leistungsfähigeren Schullandschaften in den 8 Schulbereichen
Ziel ist es, für die Zukunft eine leistungsfähige Schullandschaft im Konsens mit allen Beteiligten zu entwickeln. Zu diesem Zweck sollen für jeden der 8 Schulbereiche von den dortigen Schulen im Konsens Vorschläge erarbeitet werden, welche Schulstandorte aufgegeben und welche wie gestärkt werden sollen.

Für die 8 Schulbereiche werden Schulgipfel einberufen, in denen die Schulkonferenzen der Schulen der entsprechenden Bereiche über einen festgelegten Zeitraum (z.B. von 4-6 Wochen) darüber beraten, wie die Schullandschaft in ihrem Bereich zukünftig fortgeführt werden sollen, insbes.
–  welche Schulstandorte, mit welchen Schulprogrammen ausgebaut werden sollen,
–  welche Schulstandorte aufgegeben werden sollen,
–  auf welche Weise die Schulen miteinander verschmolzen werden sollen.

Anzustreben ist, dass
–   die Schulprogramme der aufzugebenden Schulen in die Programme der verbleibenden Schulen einfließen,
–   die Lehrer und Schüler der Klassen, der Schulstandorte die aufgegeben werden, in die verbleibenden Standorte übernommen werden,

so dass ein möglichst fließende Entwicklung von der aktuellen Schullandschaft in die neue Landschaft erreicht wird, die für die betroffenen Schüler und Lehrer so leicht wie möglich zu bewältigen ist. Ziel ist eine echte Verschmelzung der Schulen.

So wird es z.B. möglich, dass Klassen eines Standortes, der aufgegeben werden soll, an den neuen Standort samt Klassenlehrer umziehen oder dass Schulen, das Schulprogramm von Schulen, die aufgegeben werden zu, großen Teilen oder sogar im Wesentlichen übernehmen.

Die Schulgipfel erarbeiten als Vorschlag für die Politik ein Konzept für die Entwicklung der Schullandschaft in ihrem Bereich. Darin sollten ggf. verschiedene alternative Entwicklungsszenarien vorgeschlagen werden.

Vorgaben zum Schulgipgfel
Im Vorfeld der Schulgipfel, sollen die Schulen ihre Schulprogramme auf den neusten Stand bringen. Es sollen Vorgaben gemacht werden, wie viele Standorte in den jeweiligen Schulbereichen aufgegeben werden sollen (siehe Plan 2, Legende). Denkbar wären z.B. folgende Zielgrößen:

Bereich I:       anzustreben 4-5 Standorte, Aufgabe von 2-3 Standorten
Bereich II:      anzustreben 4-5 Standorte, Aufgabe von 1-2 Standorten (ohne St.Barbara)
Bereich III:     anzustreben 4-5 Standorte, Aufgabe von 0-1 Standort
Bereich IV:    anzustreben 2-3 Standorte, Aufgabe von 0-1 Standort
Bereich V:     anzustreben 9-10 Standorte, Aufgabe von 3-4 Standorten
Bereich VI:     anzustreben 14-15 Standorte, Aufgabe von 5-6 Standorten
Bereich VII:    anzustreben 8-9 Standorte, Aufgabe von 3-4 Standorten
Bereich VIII:   anzustreben 4-5 Standorte, Aufgabe von 1-2 Standorten
insgesamt:    anzustreben 49-57 Standorte, Aufgabe von 15-23 Standorten

Beteiligung am Entscheidungsablauf der Schulgipfel
Die Schulkonferenzen vertreten die Schulen auf den Schulgipfeln. Im Vorfeld und während der gesamten Dauer der Schulgipfel informieren die Schulkonferenzen die Eltern, Schüler und Lehrer ihrer Schule umfassend über den Ablauf der Gipfel und beziehen diese aktiv in ihre Entscheidungsfindung zu den Fragen des Schulgipfels ein.

Die Schulverwaltung organisiert und begleitet die Schulgipfel als kompetenter Berater und ggf. als Moderator. U.U. ist auch ein externes Beratungsbüro hinzuziehen.

Auf Basis der Ergebnisse der Schulgipfel soll die Politik den Entwicklungsplan für die zukünftige Entwicklung der Schullandschaft beschließen.

Können Schulgipfel sich nicht auf eine Entwicklung der Schullandschaft im Konsens einigen, gibt die Politik die Entwicklung des Schulbereiches vor.

Legende für die gezeigten Pläne

Quellen
Schulentwicklungsplan, Teilplan Grundschulen, Fortschreibung bis 2012: http://www.sva.bobi.net/bobi/_data/Schulentwicklungsplan%20-%20Teilplan%20Grundschulen%20-.pdf

In den Plänen als Grundlage verwendete Bochum-Karte: entnommen Masterplan Einzelhandel, Stadt Bochum 2012

2 Gedanken zu „Schulgipfel – Konzept zur Entwicklung einer leistungsfähigen Schullandschaft

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