Rettet die Gertrudisstraße – Wie kann der Niedergang der Innenstadt in Wattenscheid aufgehalten werden?

Gertrudisstraße (früher Teil der Nordstraße), eine der letzten Orte in Wattenscheid, wo man noch erahnen kann, wie der Ort vor der Industrialisierung und zu Beginn Gründerzeit ausgesehen hat. Leider aber ist die Straße auch ein Beispiel dafür, wie eine Straße über die Jahre ihren Charakter verloren hat.

gruenderzeitWATIn der Gertrudisstraße sieht man noch die kleinteilige Bebauung, die die Städte des Ruhrgebietes ausgemacht hat, bevor Orte wie Wattenscheid in alle Richtungen wucherten, um den in die Stadt strömenden Zechenarbeitern Wohnraum bieten zu können. Insbesondere zwei kleine Fachwerkhäuser, und ein weiteres kleines Haus mit Gründerzeitfassade prägen noch immer die schmale Straße.

In dieser kleinen Straße stehen 5 Häuser unter Denkmalschutz (Hausnummern 10, 14, 17, 18 und 20). So konzentriert, findet man nirgendwo in Wattenscheid so unterschiedliche denkmalgeschützte Gebäude an einem Ort. Weiterlesen

Sparkonzept der Stadt wie Seifenblase zerplatzt

Ende 2011, stolz legt die Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) zusammen mit dem Bezirksregierungspräsidenten Gerd Bollermann (SPD), dass Konsolidierungskonzept vor, dass sie mit der Bezirksregierung ausgehandelt hat.

abschlussberichtDer Präsident der Bezirksregierung, Duz- und Parteifreund der OBin verkündete „So konkret und in dem Volumen hat das noch keine Stadt geleistet.“ 51,5 Millionen sollte das Konzept am Ende pro Jahr sparen, um die Stadt vor der endgültigen Pleite zu bewahren (RN vom 15.12.11).

Kritiker hielten das Konzept jedoch für eine Luftnummer und stellten dar, dass die einzelnen Sparmaßnahmen auf unrealistischen Annahmen beruhen und wesentliche Risiken nicht berücksichtigt worden seien (Analyse Konsolidierungskonzept). Weiterlesen

Das endlose Drama um den Erhalt des Förderturms der Zeche Holland

Er ist das Wahrzeichen von Wattenscheid, auch wenn er erst 1962 aus Essen kam. Die Silhouette von Wattenscheid ohne den Förderturm der Zeche Holland, für fast alle Wattenscheider undenkbar.

foerderturmBei einem Symbol, das für die Identität der Menschen so wichtig ist, sollte man denken, dass die Wattenscheider und die Stadt Bochum alles daran setzen dieses zu erhalten.

Die Geschichte der halbherzigen Versuche der Stadt, den Turm zu erhalten, zeigt aber das volle Ausmaß des Desinteresses, das die Stadt Bochum an den Belangen von Wattenscheid hegt.

Die Umwandlung des alten Zechengeländes in ein Gewerbegebiet ist bis heute eine endlose Geschichte. 2008 stellt die UWG fest, das Gelände der ehemaligen Zeche Holland mache in einigen Bereichen immer noch einen „halbfertigen“ Eindruck. Daran hat sich bis heute, 5 Jahre später, nichts geändert. Immer noch stehen weite Teile leer, weil die Ansiedlung von Gewerbe auch hier der städtischen Wirtschaftsförderung nicht gelingt. 2008 war bereits klar, für das Schachtgebäude am Turm gibt es keine Rettung mehr. Umso wichtiger sei aber, erklärte die UWG, dass der Förderturm als Wattenscheider Wahrzeichen und Symbol der Bergbautradition erhalten bleibt (WAZ 21.08.13). Weiterlesen

Serras Stahlskulptur am Bahnhof verkauft und abgebaut – Stadt macht für 20 Mio. Kasse

Die Bürger reiben sich die Augen, wo sind Serras riesige rostige Stahlplatten von der Bahnhofskreuzung Ostring/ Wittener Straße hin, die manche für eine öffentliche Toilette, andere für Kunst hielten? Wo bis Samstag noch das Terminal von Serra stand, ist jetzt ein tiefes Loch, in dem nur noch zu sehen ist, wo die Platten vom Fundament abgetrennt wurden.

terminal1Das in Bochum über Jahre heftig umstrittene Kunstwerk, das entgegen aller Proteste 1979 aufgestellt wurde, ist Freitag Nacht klammheimlich abgebaut auf Tieflader geladen und abgefahren worden. Jetzt wurde bekannt, dass es am Sonntag in London angekommen ist und dort schon wieder aufgebaut wurde (siehe Bilder zu diesem Beitrag vom Aufbau des Terminal am Broadgate Estate). Im Rahmen des Redevelopment der Broadgate Estates an der Liverpool Station im Osten der City of London haben die Investorengesellschaft den Serra für fast 20 Mio. Euro von der Stadt Bochum kurzfristig erworben.

„Wir brauchten dringend Geld,“ ist aus der Stadt zu hören. Bei einem Kaufpreis von 20 Mio. hätte man nicht „Nein“ sagen können, wird die Entscheidung, das Kunstwerk zu verkaufen, verteidigt.

Die erhofften Sparmaßnahmen aus dem Konsolidierungskonzept 2012 führten zu einem großen Teil nicht zu dem gewünschten Erfolg. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen trotz Erhöhung der Hebesätze nicht. Die Gewinnabführungen an die Stadt von den Stadtwerken konnten nicht wie geplant erhöht werden. Auch die Bettensteuer ist gescheitert. Der USB konnte nicht zu einem stadteigenen Betrieb umgegründet werden (Rekommunalisierung), um die Erhebung der Umsatzsteuer zu vermeiden und die entsprechenden Beträge in die städtischen Kassen umleiten zu können. Und das sind nur einige gescheiterte Anstrengungen, den städtischen Haushalt zu sanieren. Weiterlesen