Bochum und Wattenscheid – Warum veröden die Stadtviertel?

Werne, Leithe, Hamme, Gerthe, Wattenscheid, und viele weitere Stadtviertel veröden. Immer mehr Billig-Shops, Spielhallen und leere Geschäfte prägen das Bild. Auf vielen Stadteilmärkten gibt es kaum noch eine handvoll Stände. Die Menschen kaufen nicht mehr in ihrem Stadtviertel ein, sondern fahren mit dem Auto in die Einkaufzentren Hannibal, Ruhrpark oder andere, die nur mit dem PKW aber kaum zu Fuß oder dem Rad erreichbar sind. In denen man nur kaufen kann, wo aber niemand wohnt.

monteverdeGanz anders z.B. in Italien. Jedes gewachsene Stadtviertel hat seinen großzügigen fast täglichen (außer Sonntag) Markt und seine eigene Einkaufsstraße. Dort sind viele kleine Geschäfte, Mode, Haushaltswaren, Bäcker, Metzger, Konditor, alles andere vorhanden und es gibt kaum Leerstände. Wie lässt sich dieser Gegensatz erklären?

In Italien sind die Menschen genauso autovernarrt wie bei uns im Ruhrgebiet. Die Einkaufsstraße im Viertel ist von den Anwohnern zugeparkt, überall herrscht Verkehrschaos. Die Bürgersteige sind kaum 3m breit, auf der Straße steht der Verkehr mal wieder im Stau. Trotzdem sind die Geschäfte belebt. Überall schleppen Menschen Tüten aus den Geschäften. An einer besonders ruhigen Shoppingatmosphäre kann es also nicht liegen, dass die Menschen in ihrem Viertel kaufen. Weiterlesen

Bochum und Wattenscheid – Stadt der Chancen

Politik in einer Stadt ist nur erfolgreich, wenn sie die sich bietenden Chancen nutzt. Bochum und Wattenscheid haben viele davon, Bochum ist Universitätsstadt. 50.000 junge Menschen studieren in Bochum. Ein Potenzial ohne Gleichen. Am 2. Januar 1964 wurde mit dem Bau der RUB begonnen, also nunmehr vor 50 Jahren.

chancenEine Universität zieht eigentlich Menschen in die Stadt und Arbeitgeber die gut- und hochqualifizierte Beschäftigte suchen. Hier hat die Stadt die Universität jedoch leider 40 Jahre weitgehend ignoriert. Auch jetzt sind die Bemühungen eher zaghaft und wenig erfolgreich. Der Biomedizinpark kommt z.B. seit Jahren nicht voran, auch sonst wollen kaum Arbeitgeber mit gut- und hochqualifizierten Jobs kommen. Also bleiben die Studenten nicht hier.

Bochum und Wattenscheid sind eine grüne Stadt mit vielen Bäumen und Grünzügen. Es gibt schöne Viertel, aber auch Viertel die von Autobahnen oder ähnlich dimensionierten Straßen quasi eingeschlossen werden, an denen schon allein wegen des Lärms niemand mehr wohnen will. Auch eine Stadt für Fußgänger und Radfahrer ist Bochum und Wattenscheid (immer noch) nicht. Alles ist auf das Auto ausgerichtet, eine andere Fortbewegung ist langwierig, unbequem und manchmal, insbesondere für Kinder, gefährlich. Die Stadt wird durchzogen von vierspurigen Straßen, von denen jeweils eine häufig jedoch nicht zum Fahren genutzt, sondern zugeparkt wird. Weiterlesen

Bogestra – oder: Rechnen will gelernt sein

Der Finanzvorstand der Bogestra, Burkhard Rüberg (SPD), geht mit 67 in den Ruhestand. Also war es mal wieder Zeit für eine Lobeshymne in der WAZ (WAZ vom 18.12.13). Die Liste der Erfolge wird aufgezählt: Im Zeitraum 1993-1996 erhöhte sich die Zahl der Verbesserungsvorschläge von 51 auf 213 bei 2.000 Beschäftigten. Die Fahrgastzahlen seien um 54 Mio. gestiegen (1991-2012). Ein Effekt, der allerdings zu einem wesentlichen Teil dem Studententicket zu verdanken ist, das wiederum nicht Rüberg eingeführt hat.

TramBbochumUnd dann liest man ungläubig, in der Zeit von Rüberg sei es zudem gelungen, die Finanzzuwendungen (Subventionen) der Kommunen für die Bogestra von 71,8 Mio. auf heute 59,5 Mio. Euro zu senken. Das macht dann doch stutzig. Nehmen die städtischen Finanzzuwendungen für die Bogestra nicht seit Jahren jedes Jahr zu statt ab? Und wer in die Beteiligungsberichte der Stadt schaut, sieht sich in seiner bisherigen Sichtweise bestätigt.

Die Zuwendungen betrugen 2002 noch 44,4 Mio., 2004 schon 46,8 Mio., 2006 dann 52,2 Mio., 2008 Mio. 54,5 Mio., 2010 58,3 Mio. und 2013 schließlich 59,9 Mio.. Die Zahl von 1992 ist wohl so falsch nicht, jedoch betrug der Verlust damals nicht 71,8 Mio Euro, sondern 71,8 Mio. DM (Deutsche Mark!). Das Defizit der Bogestra ist also unter Burkhard Rüberg nicht gesunken, sondern unaufhaltsam von 36,7 auf 59,9 Mio. Euro gestiegen. Weiterlesen

Neues Leitbild der Bochumer Verkehrsplanung – sichere Schulwege werden zum Maß der Dinge

Aberwitzig, zur Fahrradprüfung bekommen die Eltern ein Schreiben der Schulleitung, dass die Schüler das Rad auf dem Weg zur Schule und wieder zurück lieber schieben sollen, da der Schulweg für die Kinder auf dem Rad zu risikoreich sei!

SchulwegDoch vielen Eltern ist nicht nur der Weg mit dem Rad in die Schule zu gefährlich. Mehr als ein Drittel der Kinder kommt weder mit dem Rad noch zu Fuß zur Schule, sondern mit dem Eltern-Taxi (Viele Kinder kennen ihren Schulweg nicht, 1998). Zu schmale Fußwege, unberechenbare Linksabbieger, auch wenn die Fußgängerampeln grün zeigen, dass sind typische Gefahrenstellen in Bochum und Wattenscheid, die Eltern ihren Kindern nicht zumuten wollen.

Selbst wenn die Kinder bereits in weiterführenden Schule gehen, wollen viele Eltern den Nachwuchs nicht mit dem Rad in die Schule fahren lassen. Fehlende Radwege und Querungsmöglichkeiten an verkehrsreichen Kreuzungen für Radfahrer machen die Schulwege selbst für Jugendliche zum unkalkulierbaren Risiko und machen den Eltern Angst. So kommt es vor, dass Kinder und Jugendliche noch in der 7-ten Klasse gezwungen werden, den Schulweg statt mit dem Rad langwierig zu Fuß oder umständlich mit Bus und Bahn zurück zu legen. Kinder weichen aufgrund fehlender Radwege auch noch mit 13 Jahren auf Bürgersteige aus und umkurven dort erschreckte Fußgänger. Weiterlesen

Bochum – Kulturförderung versickert in der Bürokratie

Die WAZ betitelt Bochum bereits als kulturell-kreative Metropole (WAZ vom 17.12.13). Wer allerdings das Kulturleben in Berlin, London oder beispielsweise Wien schon einmal erleben durfte, wird über diese übertriebene Einschätzung wohl eher milde lächeln. Es ist also kaum verwunderlich, dass Bochum beim Kulturstädte-Ranking der 30 größten deutschen Städte 2012 ins hintere Tabellendrittel auf Platz 22 abfällt.

800px-PunkGirlsTatsächlich finden die großen, kreativen Köpfe der freie Kunstszene den Weg, wenn überhaupt, bisher leider nur eher selten ins Ruhrgebiet, stellt auch Stefan Zweers fest, international anerkannter Komponist und Produzent im Bereich visionärer Filmmusik sowie musikalischer Direktor von Rockford Kabine.

Zu Bochum Total, dem Zeltfestival oder der 1Live-Krone schauen zwar mal ein paar Musikgrößen vorbei, eine echte Kulturszene der freien Kulturträger, aus der sich überregionale Szenegrößen entwickeln können, gibt es bis heute leider nur in Ansätzen.

Gerade eine Szene und deren Umfeld von Clubs, Underground-Festivals und Gigs machen Städte wie Berlin „cool und sexy“ und international relevant. Ein Publikum wäre angesichts von 50.000 Studenten in Bochum da, eine lebendige Szene, die für kulturell-kreative Metropolen typisch ist, fehlt aber bisher komplett. Weiterlesen

Bochum abgeschlagen – Städteränking zeigt Defizite auf

Auch das neuste Städteranking zeigt erneut, die Stadt Bochum fällt weiter zurück. Der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung Heinz-Martin Dirks (SPD) bleibt gelassen, der Abwärtstrend ist offenbar längst zur Gewohnheit geworden (RN vom 13.12.13), auch dass die Maßnahmen der Wirtschaftsförderung daran nichts ändern und im Wesentlichen wirkungslos verpuffen.

rankingKonsequenz aus der Entwicklung? Dieselben Leute machen im gleichen Trott so weiter wie bisher. Einzig die Rechtsform der Wirtschaftsförderung ändert sich. Aus einem Amt werden noch mehr städtische GmbHs und der hohlen Phrasen werden ein paar mehr gedroschen und es werden angeblich neue Ziele definiert:

Die Wirtschaftsförderung Bochum muss als einheitlich wahrgenommene Aufgabe erkennbar sein. Sie muss eine Gesamtstrategie gestalten. Die Aufgaben der Wirtschaftsförderung müssen klar organisiert, Schnittstellen abgebaut und Synergien sichergestellt werden. Die Binnenstruktur der Programmatik muss der sinnlogischen Aufgabenteilung folgen. Der Wirtschaftsstandort Bochum und seine Einrichtungen müssen zielgerichtet und abgestimmt vermarktet werden (zusammengefasst aus (zusammengefasst aus Vorlage 20132709).

Angesichts dessen, dass man Selbstverständlichkeiten jetzt zu neuen Zielen einer Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung erhebt, fragt man sich, welche Ziele hat die Wirtschaftsförderung bisher eigentlich verfolgt? Dass derjenige, der das Amt für Wirtschaftsförderung bisher erfolglos geleitet hat, jetzt Leiter der neuen GmbHs wird, kann wohl nur dahingehend gedeutet werden, dass eine ernsthafte Neuaufstellung der Wirtschaftsförderung nicht das Ziel ist, sondern lediglich kosmetische Korrekturen erfolgen. Entsprechend sind konkrete richtungsweisende Maßnahmen und Konzepte bisher nicht zu erkennen. Weiterlesen

Das 2,5 Mio. Spendenloch beim Musikzentrum und der Versuch dieses zu schließen

Weiterhin fehlen mindestens 2,5 Mio private Spendengelder für das Konzerthaus der BoSy. Aber diese Lücke soll jetzt auf einen Schlag geschlossen werden. Die Brost-Stiftung will mit großzügigen 3 Mio. Euro aushelfen. Bedingung der Stiftung, das Konzerthaus soll dann den Namen Brost tragen.

musikzentrum-neuEin irritierendes Unterfangen, Staat, EU und Stadt geben für das Konzerthaus mit Musikschulalibi großzügige 20 Mio. Private Spender rund 9 Mio, davon 5 Mio. Normen Faber. Das Haus soll jetzt aber nach einer Stifterin benannt werden, deren Stiftung die fehlenden 3 Mio. dazu gibt. Nachvollziehbar ist das nicht.

Auch ob die Stifterin Anneliese Brost, Mitbegründerin der WAZ-Gruppe und auch zu Lebzeiten bereits eifrige Stifterin das so gewollt hat, darf zumindest bezweifelt werden. Laut Stiftungssatzung stand bei der Gründung der Brost-Stiftung von Anneliese Brost die Motivation anderen zu „Helfen“ im Mittelpunkt. Und zwar denjenigen, die dieser Hilfe am dringendsten bedürfen. Und das sind vor allem alte und junge Menschen, die nicht ausreichend für sich selbst sorgen können (http://www.broststiftung.org/stiftung/ziele/).

Die Stiftung fördert laut Satzung insbesondere Projekte, „die die schwierigen gesellschaftlichen Lebensverhältnisse von vielen Kindern und Jugendlichen zu kompensieren versuchen, indem die Stiftung dazu beiträgt, die Ursachen zu erkennen und zu beseitigen. Wichtig dabei ist auch die personelle wie sachliche Ausstattung der Erziehungs-, Lern- und Ausbildungsstätten.“ Weiterlesen