Attraktive Freibäder, die die Bürger betreiben

Man stelle sich Folgendes vor: Die Freibäder in Bochum und Wattenscheid öffnen am 23. April und schließen erst wieder am 10. September. Jeden Tag der Woche sind die Bäder von 9.30 bis 19.30 Uhr geöffnet – zuverlässig und unabhängig vom Wetter. Frühschwimmer sind montags bis freitags zwischen 5.30 Uhr und 8.15 Uhr willkommen. Und im Juni, Juli und August sind die Bäder dazu an jedem Freitag bis 21 Uhr geöffnet.

Selbstverständlich kann man in den Bädern auch Fußball, Beachvolleyball (Je 2 Plätze) und Boule spielen. Es gibt einen großen, modernen Spielplatz und jeden Freitag ein Open-Air-Kino.

Leider nur ein Traum. In anderen Städten ist das dargestellte Szenario hingegen Wirklichkeit, in Bochum und Wattenscheid leider nicht. Die beschriebenen Verhältnisse genießen die Bürger von Schwerte im Elsebad (Elsebad Schwerte). Auch wird es nicht von städtischen Bürokraten geführt, sondern von engagierten Bürgern selbst betrieben.

Trotzdem die Bäder in Bochum marode sind, schlechter ausgestattet und immer wieder für längere Zeit wegen Reparaturen geschlossen sind, sind sie dazu sogar noch verhältnismäßig teuer. Bei uns kostet die Tageskarte 4,50 Euro, im Elsebad 3,50 Euro.

Stadt ist mit dem Betrieb der Bäder überfordert

Das Bädermanagement der Stadt ist eine Katastrophe. Trotz 33°, hatte am 29.05. in Bochum und Wattenscheid kein einziges Bad mit Freibereich geöffnet. Zwei sind wegen Schäden geschlossen (Linden, Höntrop), zwei machen Ruhetag (Hofestede, Langendreer) und die Freibäder öffenen erst am 01.06 (Südfeldmark) bzw. am 01.07. (Werne, Höntrop). Die Einwohner schwitzten und hätten in Scharen die Freibäder aufgesucht, die Stadt bleib untätig.

Nur 60.000 Euro schießt die Stadt Schwerte zum Elsebad pro Jahr zu. Die Freibäder in Werne und der Südfeldmark hatten 2014 einen Zuschussbedarf von 119.000 bzw. 642.000 Euro. Die 4 Hallenfreibäder benötigten pro Bad sogar Zuschüsse zwischen 1,04 und 1,80 Mio..

Das Elsebad besuchten 2016 rund 70.000 Besucher. Würden dort Eintrittspreise wie in Bochum verlangt, müsste die Stadt Schwerte fast keinen Zuschuss mehr leisten. Zum Vergleich, das Freibad Südfeldmark besuchten 2014 nur knapp 30.000 Besucher, in Werne schwammen nur 22.800 Besucher.

Die Verwaltung in Bochum ist mit dem Betrieb der Bäder offensichtlich überfordert. Das Freibad Werne und der Freibereich in Höntrop machen nur im Juli und August auf, das Freibad Südfeldmark immerhin noch zusätzlich im Juni. Alle Bäder gönnen sich einen Ruhetag in der Woche.

Aufgrund der kläglichen Öffnungszeiten, ist es kaum möglich Rettungsschwimmer zu finden. Für 2-3 Monate will kaum einer den Job übernehmen. Da nehmen in Frage kommende Mitarbeiter lieber die Aufgabe als Rettungsschwimmer an Bädern wahr, die den ganzen Sommer hindurch über 5 Monate jeden Tag geöffnet haben.

Die Öffnungszeiten der Bäder in Bochum und Wattenscheid zeigen, einen guten Service für die Bürger zu erbringen, ist für die Bochmer Verwaltung kein Wert an sich. Bäder flexibel zu öffnen, wenn es heiß ist, ist offensichtlich weder möglich noch besteht die Bereitschaft zu der dafür erforderlichen Flexibilität. Trotz mangelhaftem Service produziert die Bürokratie aber immer weiter steigende ungedeckte Kosten, 2014 waren das für alle Bäder bereits 6,8 Mio. Euro, Tendenz steigend. Die städtischen Bäder sind ein Fass ohne Boden.

Durch ein neues, teures Kassensystem und die Verringerung der Öffnungszeiten sollten die Zuschüsse eigentlich gesenkt werden. Stattdessen steigen sie an. Allein die Besucherzahlen sanken weiter und damit die Einnahmen. Mit ihren Maßnahmen erreichte die Verwaltung das Gegenteil von dem, was sie geplant hatte. Die Verwaltung ist an ihrer Aufgabe gescheitert.

Wie in Schwerte wäre es auch bei den Freibädern in Bochum und Wattenscheid möglich diese durch Bürger betreiben zu lassen. In Schwerte betreibt das Bürgerbad eine gemeinnützige GmbH in Verbindung mit einem Förderverein, die beide von engagierten Bürgern getragen werden. Rund 130 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um das Bad. Das Elsebad ist ein Bad von Bürgern für Bürgern.

Auch für das Südparkbad in Höntrop wäre der Betrieb als Bürgerbad eine Möglichkeit für den Fortbestand als Freibad. Der Betrieb als Hallenfreibad durch Bürger das ganze Jahr hindurch erscheint dagegen kaum möglich, das erforderliche Engagement würde die Bürger überfordern.

Freibäder werden zu Bürgerbädern

Die Verwaltung erscheint nicht fähig den Fortbestand der Freibäder sicher zu stellen. Nach der drastischen Reduzierung der Öffnungszeiten, ist der nächste Schritt die Schließung. Freibäder zu betreiben, die nur zwei Monate im Jahr öffnen, macht erkennbar keinen Sinn. Daher sollte die Möglichkeit geprüft werden, die Bäder in die Hand von Bürgern zu übergeben. Mit diesem Ziel könnte die Stadt aufrufen, dass sich Bürger melden, die sich für die entsprechenden Bäder engagieren oder Bürger tun sich von sich aus in Initiativen zusammen, um die entsprechenden Bäder zu übernehmen.

Wenn jetzt nichts passiert, wird der 29.05.2017 voraussichtlich nicht der einzige Tag in Bochum und Wattenscheid bleiben, an dem bei 33° kein einziges Freibad auf hatte, vielmehr werden es Jahr für Jahr mehr werden.

Ein Gedanke zu „Attraktive Freibäder, die die Bürger betreiben

  1. Man sollte überlegen ob die Städtischen Bäder nicht besser bei den Stadtwerken auf gehoben sind. Schon wegen der Energie und dem Wasser, was in den Schwimmbäder gebraucht würd wäre das schon sinnvoll. Für so eine große Stadt wie Bochum wäre das nicht gut, wenn Frei- und Hallenbäder ersatzlos zu gemachen werden müssen.
    Bei sollchen Betrieben wie Bäder, darf die Werbung und das Marketing nicht auseracht gelassen werden.

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