Schulentwicklung ist entscheidendes Kriterium bei der Wahl des neuen Dezernenten

Stadtteile, in denen mehr als 50% der Grundschüler nur eine Hauptschul- oder eine eingeschränkte Realschulempfehlung erhalten

Wie gut sind unsere Schulen? Wie viele Kinder erreichen in Bochum und Wattenscheid den für einen guten Job erforderlichen guten Schulabschluss? Die Lebenschancen zukünftiger Generationen hängen besonders davon ab, wie gut wir die Bildungseinrichtungen in unserer Stadt organisieren und ausstatten.

Es geht um die Zukunft der Schüler und eine bessere Schullandschaft

Umso besser die städtische Schullandschaft, desto größer sind die Chancen der Kinder unabhängig vom Bildungsabschluss der Eltern und dem Stadtteil, in dem sie leben, einen Schulabschluss zu erreichen, der ihnen die Chance gibt jeden Beruf zu ergreifen, den sie sich wünschen. Nur so kann die im letzten Bundestagswahlkampf so vehement geforderte Chancengerechtigkeit auch erreicht werden.

Bochum ist in dieser Hinsicht leider weiterhin schlecht aufgestellt. In vielen Stadtteilen erhält ein großer Teil der Grundschüler nur eine Hauptschul- oder eingeschränkte Realschulempfehlung (Karte Schulformempfehlungen) Damit haben viel zu viele Schüler in Bochum und Wattenscheid bereits am Ende der 4. Schulklasse nur noch stark eingeschränkte Chancen auf einen guten Job, der einen guten Schulabschluss erfordert.

Was muss geschehen, damit sich das ändert? Die Schullandschaft muss grundlegend verändert werden. Die Schulen müssen personell und materiell so ausgestattet und aufgestellt werden, dass mit ganz wenigen Ausnahmen alle Bochumer und Wattenscheider Schüler, am Ende ihrer Schulzeit mindestens einen guten Realschulabschluss erreichen.

Jeder Stadtteil stellt unterschiedliche Anforderungen an die Schullandschaft, diesen muss die Schulentwicklungsplanung gerecht werden. Schulen in Stadtvierteln, in denen es bisher kaum gelingt, die meisten Schüler zu den erforderlichen Schulabschlüssen zu führen, benötigen besondere Aufmerksamkeit und müssen in die Lage versetzt werden, den Schülern die gleichen Möglichkeit zu geben, wie sie an Schulen in bevorteilten Stadtteilen teilweise bereits bestehen.

Entscheidend für die Entwicklung einer herausragenden Schullandschaft ist der Dezernent für Schulen und Bildung

Ob das gelingt, hängt entscheidend davon ab, ob der zukünftige Dezernent für Bildung, Kultur und Sport die erforderlichen Schritte einleitet, die Schullandschaft neu aufzustellen. Der Dezernent braucht in diesem Bereich die entsprechende Erfahrung. Er oder sie muss die Gegebenheiten in der Stadt kennen, muss dazu innovative und erfolgreiche Konzepte und Strategien auf den Weg bringen, wie das Ziel zu erreichen ist und muss nicht zuletzt eine sehr hohe Einsatzbereitschaft und Leidenschaft besitzen, um diese Herkulesaufgabe stemmen zu können. All das fehlte Michael Townsend (SPD), dem aktuellen Schuldezernent. Im Bereich der Schule hat er kaum Zielführendes auf den Weg gebracht, er sah sich selbst in erster Linie als Kulturdezernent.

Die Bewerber für die Stelle des Dezernenten für Bildung, Kultur und Sport, Regina-Dolores Stieler-Hinz, Dietmar Dieckmann, Foto, Stieler-Hinz, StagiaireMGIMO

Der Rat muss zwischen zwei Kandidaten entscheiden

Am 14.12. muss der Rat die Dezernentenstelle neu besetzen. Zwei Kandidaten stehen zur Wahl:

Regina-Dolers Stieler-Hinz
, die in Minden derzeit als Dezernentin für Bildung, Kultur und Sport tätig ist und diese Stelle auch bereits in Eberswalde bekleidet hat. Sie ist Bochumerin, ihre 3 Kinder gingen in Bochum zur Schule. Darüber hinaus hat sie sich durch ihren besonderen Ansatz bei der Schullandschaftsplanung in Minden einen Namen gemacht (Oktobernews 13.05.2017).

Unter Beteiligung von Schulleitungen, Lehrern, Schulpflegschaftsvorsitzenden, Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie 50 Bürgerinnen und Bürgern wurden in Minden in drei umfangreichen Wochenendveranstaltungen konkrete Maßnahmen und eine gemeinsame Strategie zur zukünftigen Ausrichtung der Mindener Schullandschaft entwickelt, die schließlich im Stadtrat einstimmig verabschiedet wurde.

Für die Dezernentenstelle vorgeschlagen wurde Regina-Dolers Stieler-Hinz von den Ratsfraktionen von CDU und „FDP & Die STADTGESTALTER“. Sie selbst ist Mitglied der Grünen.

Der zweite Kandidat ist Dietmar Dieckmann, der seine berufliche Karriere als Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Hans Frey (SPD) begonnen hat, dann Referent bei der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Düsseldorf war, schließlich Referent der SPD-Landtagsfraktion NRW, und Büroleiter von Ministerin Ute Schäfer (SPD) im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Unter der nachfolgenden Ministerien Christina Kampmann (SPD) leitete er die Zentralabteilung. Hier war er zuständig für den Haushalt, die Organisation und das Personal des Ministeriums sowie für Controlling, Informationstechnologie und den Inneren Dienst. Aufgrund des Wechsels der Landesregierung von SPD/Grünen zu CDU/FDP ist er seit Oktober 2017 Leiter der Abteilung „Familie und LSBTI“.

Laut der Bochumer SPD-Ratsfraktion war einer der inhaltlichen Schwerpunkte seiner Arbeit die Einführung der Offenen Ganztagsschule (PM SPD vom 30.11.2017), die 2005 vom Schulministerium unter Rot-Grün veranlasst wurde. Jedoch arbeitete er erst ab 2010 als Abteilungsleiter für das Familienministerium, das nicht für die Einführung der Ganztagsschulen zuständig war.

Der kinderlose Dieckmann lebt in Gelsenkirchen. Dort war er von 2005 bis 2010 auch Vorsitzender der SPD. Vorgeschlagen für die Dezernentenstelle wurde Dietmar Dieckmann von der SPD-Fraktion im Stadtrat.

Berwerbungsverfahren für Dezernentenstelle war unprofissionell

Leider war die Zahl der Bewerbungen auf die Stelle des Dezernenten sehr übersichtlich, da Rot-Grün die von der Fraktion „FDP & Die STADTGESTALTER“ vorgeschlagene Einschaltung eines Personalberaters abgelehnt hatte, der gezielt hätte Personen ansprechen könne, die für den Job besonders geeignet erschienen (Antrag 20172455). Andere Städte machen das professioneller (MR vom 14.12.2015).

Auch hatten die Ratsfraktionen von SPD und Grünen im Vorfeld der Stellenausschreibung vereinbart, dass nachdem die Grünen bei der Besetzung der Stadtkämmerei den zu wählenden Kandidaten vorschlagen durften, die SPD nunmehr beim Dezernat Bildung, Kultur und Sport das gleiche Vorschlagsrecht zufiele. Entsprechend waren mögliche Bewerber ohne SPD-Parteibuch mangels Erfolgsaussichten eher wenig motiviert sich auf die Stelle zu bewerben.

Der beste Kandidat möge gewinnen

In der Ratssitzung am 14.12.17 wird der Rat darüber entscheiden, welcher der beiden Kandidaten der neue Dezernent bzw. die neue Dezernentin der Stadt wird. Zu hoffen ist, dass jedes Ratsmitglied sich unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu einer Partei oder Wählergemeinschaft für den seiner Meinung nach besseren Bewerber entscheidet und alle Fraktionen ihren Mitgliedern die Wahl frei stellen und kein Ratsmitglied zu einem vorgegebenen Abstimmungsverhalten mittels Fraktionszwang genötigt wird.

Wenn alle Ratsmitglieder den notwendigen Mut und das erforderliche Rückgrat besitzen, in solch einer wichtigen Frage allein nach ihrer eigenen Überzeugung zu entscheiden, dann wird der Rat die für die Lebenschancen von zukünftigen Generationen der Stadtbewohner so wichtige Stelle mit dem am besten geeigneten Kandidaten besetzen.

Parteiinteressen müssen bei dieser Abstimmung hinter den Interessen der Stadt und seiner Bewohner zurück stehen.

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