StartUp Szene in Bochum blüht in der Innenstadt

Die Bochumer StartUp-Unternehmen und Gründer sind in einer noch kleinen Szene sehr gut in der Stadt und auch im Ruhrgebiet vernetzt. Die Grenzen, die die Ruhrgebietskommunen zwischen Städten sehen kennen die StartUp-Unternehmer nicht. Man arbeitet über Stadtgrenzen hinweg zusammen, hilft sich, berät und trifft sich. Hier gelingt, wovon andere Wirtschaftbereiche in Bochum und dem Ruhrgebiet träumen.

StartUp Szene fühlt sich in der Innenstadt wohl

Über die rege StartUp-Szene berichten besonders Alexander Hüsing und Carmen Radeck. Beide sind selbst Gründer und Kind des Ruhrgebiets. Alexander Hüsing berichtet in seinem Blog ds – deutsche startups über die StartUps aus dem Ruhrgebiet.  RuhrGründer heißt der Blog von Carmen Radeck. Beide Blogs geben auch StartUps und Gründern aus Bochum und deren Anliegen viel Raum.

Der Kern der Szene hat sich in Bochum in der Innenstadt nieder gelassen, 9elements, nextindex, Werkbank und andere StartUps sitzen hier. In der City sind die Wege kurz, hier bekommt man alles und die Büromieten sind bezahlbar. Die Mitarbeiter der Startup-Unternehmen schätzen die guten Nahverkehrsanbindungen. In der Szene besitzen viele kein Auto, benutzen es wenig oder besitzen gar keinen Führerschein.

Coworking Space – Arbeiten (Foto: Deskmag)

Doch in der Innenstadt fehlt es an größeren Räumlichkeiten. Nicht wenige StartUps wollen wachsen, Büroräumlichkeiten über 300 qm zu finden ist in der Innenstadt jedoch bislang schwer. Zwar entstehen in der City einige neue größere, moderne Büroflächen, doch die dort aufgerufenen Mietpreise können sich die meisten StartUps nicht leisten. Die in großer Zahl freistehenden Flächen sind wiederum zu klein.

Ein zentraler Anlaufpunkt für die StartUp-Szene und Coworking Space

Auch die Gründungsberater der städtischen Wirtschaftsförderung sind gut mit der StartUp-Szene vernetzt. Aber die Stadt will noch mehr tun. Eine der 25 Kernaktivitäten der Bochum Strategie sieht vor in der Stadt einen Ort zu schaffen, wo junge Unternehmen in einer frühen Phase ihrer Geschäftstätigkeit oder der Gründungphase unterstützt werden. Dort sollen Mentoren- und Coaching-Programme angeboten werden, um die StartUps zu unterstützen, aus ihren Ideen für Produkte oder Dienstleistungen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln und diese anschließend vor Investoren zu präsentieren (Kernaktivität Gründungsvilla).

Bochum fehlt derzeit ein solcher zentraler Ort und Coworking Space, in dem sich die Gründer treffen und sich gleich unkompliziert mit der bestehenden Szene vernetzen können, ein Ort der gleichzeitig Anlaufpunkt ist für die bestehenden StartUps, Gründungsberater und Kapitalgeber. Die gute Nachricht, zwei bis drei Coworking Space Projekte stehen in Bochum bereits in den Startlöchern. In Dortmund (Work Inn), Essen (Impact Hub Ruhr), Witten (Entrepreneurship Zentrum) gibt es bereits Coworking Spaces.

Anforderungen. die ein zentraler Coworking Space erfüllen sollte

Coworking Space – Meeting and Connecting (Foto: Eterna S)

Idealerweiser erfüllt ein solcher Coworking Space gleich mehrere wichtige Anforderungen:

Gründer in der ganz frühen Gründungsphase benötigen einen, wenn möglich kostenfreien Arbeitsplatz, um ihre Idee bis zu einem Geschäftsmodell zu entwickeln und sich mit anderen erfahrenen Akteuren der Gründerszene zu vernetzen.

Weitläufige, cool gestaltete, von außen gut sichtbare Räumlichkeiten mit Arbeitsplätzen in kreativer Gründeratmosphäre in der Innenstadt, könnten ein Anziehungspunkt für Menschen sein, die überlegen in Bochum ein Gründungsprojekt zu starten.

Gelingt der Start und sind die ersten Kunden zu betreuen, suchen viele Startups abgeschlossen Räumlichkeiten von 20-40 qm, um hier in Ruhe ihrem Geschäft nachzugehen. Solche Räumlichkeiten sind auch für größere Unternehmen interessant, wenn sie Mitarbeiter nach Bochum schicken, damit sie dort ein Projekt durchführen. Mit diesen Vermietungsangeboten lässt sich Geld verdienen. Gewinnorientiert arbeitende Anbieter von Coworking Space leben von diesen Flächen.

Daneben sollte ein Coworking Space auch immer ein Treffpunkt der Szene sein. Der Ort sollte auch als Anziehungspunkt für Unternehmer interessant sein, die sich nicht mehr in der Gründungsphase befinden aber z.B. Kooperationspartner für ihre Projekte suchen. Hier sollten Veranstaltungen für und von der StartUp-Szene angeboten werden. Die Wirtschaftsförderung, Hochschulen und potentielle Kapitalgeber sollten ebenfalls Räumlichkeiten vorfinden, um sich mit den Gründern austauschen und neuen präsentieren zu können. Neben Arbeitsräumen und –plätzen, sollten also auch Räumlichkeiten für Beratungen, Konferenzen und Veranstaltungen den eigentlichen Coworking Space ergänzen.

Ganz wichtig ist somit die Ausgestaltung der Räumlichkeiten. Sie muss sowohl mulifunktional sein, wie eine Wohlfühlatmosphäre bieten, die alle anspricht. Gleichzeitig muss es für einen privaten Betreiber möglich sein, den Coworking Space mit Gewinn zu betreiben.

Kooperationspartner: Wirtschaftsförderung, Sparkasse, Hochschulen

Die Wirtschaftsförderung könnte Gründer der frühen Gründungsphase mit Gutscheinen ausstatten, die für einen begrenzten Zeitraum ein kostenfreies Arbeiten im Coworking Space ermöglichen. Auf diese Weise könnte die Wirtschaftsförderung das sonst eher unlukrative Angebot entsprechender Coworking-Arbeitsplätze fördern.

Wichtiger Akteur sollte auch die städtische Sparkasse sein, zu deren Kerngeschäft es gehört Unternehmen, insbesondere auch StartUps und Gründer, mit Kapital auszustatten. Maximalforderung könnte sein, dass die Sparkasse besser ihren Gewinn (derzeit 15 Mio. Euro) in das eigene Geschäft, in die Kapitalausstattung von Gründern und StartUps investiert, als damit die Finanzlöcher der Stadt zu stopfen. Zumindest einen Teil des Gewinns in Gründer und StartUps zu reinvestieren, könnte für die Stadt auf Dauer auch die finanziell auf lukrativere Alternative sein. Wenn auf diese Weise weitere spannende Unternehmen in Bochum entstehen, die die Stadt mit Steuern finanzieren und zukunftsfähige Arbeitsplätze anbieten, sollten diese in ein paar Jahren Einnahmen für die Stadt erwirtschaften, die den heutigen Gewinn, mit dem die Sparkasse die Stadt unterstützt, übersteigen.

Zumindest könnte die Sparkasse das Geschäftsfeld der Gründungs- und StartUp-Förderung deutlich ausdehnen. Denkbar wäre z.B. ein 3+1-Programm. Wenn 75% des Kapitalbedarfs eines Startups durchfinanziert sind, gibt die Sparkasse das fehlende Viertel unbürokratisch dazu.

In jedem Fall wäre die Sparkasse ein hochinteressanter Partner Coworking Space-Projekte in Bochum. Durch die Unterstützung eines zentralen Anlaufsortes für Gründer und StartUps könnte die Sparkasse zudem selbst neue Kunden gewinnen und sich vor Ort kompetent präsentieren und andere Kapitalgeber dorthin einladen.

Weiterer wichtiger Kooperationspartner für einen Coworking Space mit den dargestellten Aufgaben sind die Universität und die Hochschulen in Bochum. In Witten trägt die Universität das Entrepreneurship Zentrum, das neben einem umfangreichen Beratungsangebot denjenigen, die am Gründerprogramm teilnehmen einen exklusivem Netzwerkzugang zu Mentoren und Investoren und einen eigenen Arbeitsplatz im Coworking Space des Zentrums anbietet (EZW Stipendium).

Eine komplexe Aufgabe mit vielen möglichen Beteiligten

Ein zentraler Coworking Space in der Bochumer Innenstadt sollte idealer Weise somit eine ganze Reihe spannender, aber auch sehr vielfältige Aufgaben erfüllen. Es sollten viele Akteure involviert werden. Damit alles unter einen Hut passt müssen diese alle an einem Strang ziehen. Darüber hinaus bedarf es geeigneter Räumlichkeiten, die für alle dargestellten Zwecke nutzbar sind.

Die STADTGESTALTER verstehen sich selbst als politisches aber parteiloses StartUp, das beständig neue Ideen und Vorschläge für die Stadt entwickelt (Ideen der STADTGESTALTER). Daher sind die STADTGESTALTER ebenfalls daran interessiert in der kreativen Atmosphäre eines Coworking Spaces zu arbeiten und könnten sich darüber hinaus vorstellen ein solches Projekt als Host zu unterstützen.

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