Verwaltung versagt bei Schulentwicklungsplanung

Die neuen Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen zeigen erneut, die von der Stadt angebotenen Schulen und Schulformen gehen in weiten Teilen an den Bedürfnissen der Schüler und deren Eltern vorbei. Die Folge, Eltern melden ihre Kinder an einer Schule an und werden abgelehnt. Die Schule kann die Schüler nicht aufnehmen, da es zu viele Anmeldungen gibt. An anderen Schulen melden sich viel zu wenig Schüler an, um die geplanten Eingangsklassen bilden zu können.

Die abbruchreife Heinrich-von-Kleist-Schule (Foto: Arnoldius)

Eigentlich ist es Aufgabe der Stadt entsprechend des Bedarfs bei den Schülern, ausreichend Schulen der verschiedenen Schulformen bereit zu stellen. Damit das gelingt, stellt das Schulverwaltungsamt einen Schulentwicklungsplan auf.

Gemeinschaftsschule, Sekundarschulen und die neue Gesamtschulen werden nicht angenommen

Einen Schulentwicklungsplan für die weiterführenden Schule in Bochum und Wattenscheid gab es zuletzt von 2007/08 bis zum Schuljahr 2012/13. Danach gab es keine Fortschreibung des Plans mehr. Seit 2012 geht es, wie in der Verwaltung in Bochum auch an anderen Stellen nicht unüblich (Planlosigkeit bei der Stadtentwicklung, 29.07.17) planlos weiter.

2010 wurde eine Gemeinschaftsschule eingeführt. Nach 5 Jahren war der Versuch gescheitert. Nur 36 Anmeldungen für eine 4-zügige Schule, das war dann doch zu wenig, die Schulform wurde aufgegeben.

Das gleiche Trauerspiel bei den Sekundarschulen. 2011 eingerichtet, liegen die Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr bei 30 bzw. 37 Schülern. Statt geplanten 4 Eingangsklassen reichen die Anmeldungen nur für eine bis zwei Klassen an den beiden Schulen.

Die von Oberbürgermeister Eiskirch (SPD) aufgestellte Behauptung, die Nelson-Mandela-Sekundarschule werde gut angenommen (WAZ vom 20.06.2017), ist angesichts der abnehmenden Anmeldezahlen und der 37 Anmeldungen entweder seiner Unwissenheit geschuldet oder er wollte bewusst verschleiern, dass auch die Sekundarschulen mangels Bedarf gescheitert sind.

Auch der neuen Gesamtschule Mitte fehlen die erforderlichen Anmeldezahlen für 4 Eingangsklassen. Die reichen gerade für zwei (62 Anmeldungen). Mit gutem Willen könnte man maximal 3 Klassen bilden. Dass die Schule nicht angenommen wird war abzusehen, liegt sie doch nur 400 m neben der Heinrich-Böll-Gesamtschule und besteht aus zwei Schulstandorten, die zu Fuß 20 Minuten auseinander liegen. Aus welchem Grund sollte man unter diesen Bedingungen sein Kind dort anmelden?

Eine neue Gesamtschule in Wattenscheid wird es vorerst nicht geben

Fatal, weil die neue Gesamtschule nicht die erforderlichen Anmeldezahlen erreicht, wird es auch die geplante Gesamtschule in Wattenscheid vorerst nicht geben. Denn würde sie eingerichtet, würde die Gesamtschule Mitte weitere Schüler verlieren, das wird das Schulverwaltungsamt nicht zulassen können.

Abdeckung des Stadtgebietes mit Gesamtschulen

Wie von den Kritiker vorhergesagt, war auch die Gesamtschule-Mitte eine teure Fehlentscheidung. (Neue Bochumer Gesamtschule wird zu einer 21 Millionen teuren Notlösung, LK vom 18.12.2007), die sehenden Auges am bestehenden Bedarf vorbei eingerichtet wurde. Eine Gesamtschule fehlt nicht im Bezirk Mitte, sie fehlt in Wattenscheid und im Norden der Stadt (Abdeckung der Stadt mit Gesamtschulen).

Auch bei den Grundschulen herrscht Planlosigkeit

Bei den Grundschulen herrscht ähnliche Planlosigkeit. Das Schulverwaltungsamt schafft es trotz mehrfacher Nachfrage nichtmal den Fraktionen die aktuellen Anmeldezahlen vor zu legen.

Der Schulentwicklungsplan reichte bis zum Schuljahr 2016/17, war aber schon seit 2015 Makulatur, seitdem herrschte auch hier Planlosigkeit. Ein fortgeschriebener Plan kommt frühestens zum Schuljahr 2019/2020. Um der Raumknappheit her zu werden behilft man „sich mit Erweiterungen, Modulbauten, Containern oder der Nachbarschule. Ein jämmerlicher Zustand.“, beklagen die Schulleiter. Bei den Turnhallen und den (WAZ vom 21.03.2018). Das Schulverwaltungsamt baut die Schulhöfe diverser Schulen konzeptionslos mit Containerklassen zu, um die Raumengpässe zumindest halbwegs in den Griff zu bekommen, „Provisorium ersetzt Planung“ ist im Schulverwaltungsamt die Devise.

Auch fehlen seit Jahren Turnhallen und Schwimmhallen. Über den mangelhaften baulichen Zustand vieler Schulen und die ungenügende Ausstattung hinaus sind über Jahre unhaltbare Zustände entstanden, die in der Politik offenbar bisher kaum jemanden kümmern.

Auch das drohende Raumproblem an den Grundschulen war bereits bei Aufstellung des letzten Entwicklungsplans absehbar (Das Märchen von Schulschließungen aufgrund abnehmender Schülerzahlen, LK vom 16.10.2012). Die Grundschulschließungen waren ein Irrweg. Aber Politik und Schulverwaltungsamt wollten es nicht wahrhaben, hinzukam die Flüchtlingskrise. Zu den ohnehin fehlenden Raumkapazitäten kamen fehlende Reserven. Das Schulverwaltungsamt war überfordert angesichts der geänderten Lage den bestehenden Schulentwicklungsplan den völlig geänderten Bedürfnissen anzupassen.

Schulentwicklungsplanung muss neu organisiert werden

Die Bürger fragen sich, wofür das Schulverwaltungsamt Mitarbeiter beschäftigt, die offensichtlich nicht in der Lage sind die erforderlichen Planungen den Bedürfnissen entsprechend aufzustellen, und diese zeitnah anzupassen und fortzuschreiben. Beim Schulverwaltungsamt arbeiten immerhin deutlich über 200 Mitarbeiter. Um die Planlosigkeit zu beenden, ist es dringend nötig, dass Schulverwaltungsamt personell und organisatorisch grundlegend neu aufzustellen,

Damit in Bochum und Wattenscheid endlich die Schulen so aufgestellt werden, dass sie den Bedürfnissen von Schülern und Eltern bis auf wenige Ausnahmen gerecht werden, muss die Schulentwicklungsplanung zukünftig auch die Eltern und Schulen wirksam einbeziehen. Ein Planungsprozess, an dem die Schulen allenfalls alibimäßig beteiligt sind reicht nicht. Wie so etwas funktionieren kann, hat die Stadt Minden vorgemacht (Stadt packt Schulentwicklungsplanung erneut an). In Werkstätten wurden dort mit Beteiligung von Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern, Schulpflegschaftsvorsitzenden, Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie 50 Bürgerinnen und Bürger konkrete Maßnahmen und eine gemeinsame Schulentwicklungsstrategie entwickelt. Der so erarbeitete Plan wurde schließlich vom Rat einstimmig angenommen.

Weiterhin muss der Plan jedes Jahr den sich verändernden Gegebenheiten angepasst werden. Dafür benötigt das Schulverwaltungsamt kompetente Mitarbeiter, die den Plan jedes Jahr fortschreiben. Alle 3-5 Jahre ist eine grundlegende Neuaufstellung mit der entsprechenden umfassenden Beteiligung erforderlich. Diese muss in einem Zeitraum von 6 Monaten abgewickelt werden. Die entsprechenden Arbeitsabläufe im Schulverwaltungsamt sind zu diesem Zweck deutlich zu straffen.

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