Vorschlag, um das Dieselfahrverbot auf der Herner Straße zu verhindern

Auf der Herner Straße werden die Grenzwerte für Stickstoffdioxid seit Jahren deutlich überschritten. Im März hat daher die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Stadt Bochum bzw. die Bezirksregierung verklagt. Weil der Stadt ein schlüssiger Plan fehlt, wie Stadt sicherstellen will, dass die Grenzwerte schnellst möglich eingehalten werden. Ein Dieselfahrverbot auf der Herner Straße ist kaum mehr abzuwenden. Die STADTGESTALTER machen jetzt einen einfachen Vorschlag, wie das Verbot doch noch abgwendet werden könnte.

NO2-Belastung nimmt an Herner Straße seit dem Neubau 2015 wegen dem zunehmende Abkürzungsverkehr von der A40 zur A43 zu

Während die Stickstoffdioxidwerte deutschlandweit seit Jahren sinken, sind sie an der Herner Straße seit 2015 sogar noch gestiegen. 40 µg/m³ darf der Stickstoffdioxidwert im Jahresmittel nicht überschreiten, an der Herner Straße wurden 2017 im Jahresmittel 51 µg/m³ gemessen (Entwicklung Jahresmittelwerte NO2, Herner Straße, Deutschland)

14,7 Millionen Fahrzeuge befahren die Herner Straße jedes Jahr. Doch 38% des Verkehrs ist kein Stadtverkehr sondern Abkürzungsverkehr von der A40 zur A43 und umgekehrt (Mitteilung 20181384). Seitdem die Stadt die Herner Straße erneuert und dabei 4 volle Fahrspuren ohne Straßenbahngleis eingerichtet hat, ist die Straße erst richtig attraktiv geworden für den Abkürzungsverkehr, insbesondere auch den Schwerverkehr. Rund 2,5 Minuten sparen die Fahrzeuge, wenn sie durch Riemke fahren statt über das Autobahnkreuz Bochum (Grafik Abkürzungsverkehr).

Die Kritiker des 4-spurigen Neubaus der Herner Straße hatten darauf hingewiesen, dass sich durch den autofreundlichen Ausbau der Verkehr auf der Straße weiter erhöhen werde und sich die daraus resultierenden negativen Folgen besonders für Riemke weiter verstärken würden. Neben der erhöhten Schadstoffbelastung der Luft ist der fortschreitende Niedergang des Stadtteilzentrums von Riemke auffällig. Die in weiten Teilen der Straße ebenfalls deutlich über den Grenzwerten liegende Lärmbelastung führt dazu, dass die Häuser sich im Bereich zwischen A40 und A43 kaum vermieten lassen und sich zunehmend Anzeichen von Verwahrlosung erkennen lassen.

Dieselfahrverbot und Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 droht

Der 4-spurige Neubau war eine Fehlentscheidung, die sich im Nachhinein nur schwer korrigieren lässt und weitreichende Folgen wie das drohende Dieselfahrverbot nach sich zieht oder die im Rahmen des Lärmschutzaktionsplans vorgeschlagene Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 (Maßnahmen Lärmaktionsplan).

Die Deutsche Umwelthilfe verklagt die Bezirksregierung bzw. die Stadt, weil diese bisher keinen schlüssigen Plan vorgelegt hat, wie sie die Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte schnellst möglich sicherstellen will.

Die Maßnahmen der Stadt zur Einhaltung der Grenzwerte sind unzureichend

Die bisher angedachten Maßnahmen der Stadt (Mitteilung 20181384) werden in ihrer Wirkung kaum ausreichen. Zudem verlangt die Berzirksregierung ein Konzept, dessen Umsetzung „schnellst möglich“ eine Einhaltung der Grenzwerte zur Folge hat.

Die Stadt will die Linie 354 in Zukunft mit Elektrobussen betrieben. Im Jahr legt der 354er Bus 11.366 Fahrten über die Herner Straße zurück, damit macht er nur 0,07% des Gesamtverkehrs aus. Diese Maßnahme kann somit keine messbare Wirkung in Bezug auf die bestehende Schadstoffbelastung entfalten.

Weiterhin schlägt die Stadt vor in die Herner Straße einen Mittelstreifen einzubauen und am Rand Mooswände aufzubauen, die die schädlichen Stickoxide aus der Luft filtern sollen.

Auch will die Stadt auf dem ehemaligen Unger-Gelände erneut einen Park & Ride–Parkplatz einrichten, obwohl schon der erste Versuch an mangelndem Interesse scheiterte. Solange das Parken mitten in der Innenstadt kaum teurer ist wie die Fahrt mit der U35 vom Park & Ride–Parkplatz in die Innenstadt, besteht auch weiterhin kein Anreiz ein solches Angebot zu nutzen.

Diese Vorschläge zeugen von einer gewissen Hilflosigkeit geeignete Maßnahmen zu finden, die das Problem nachhaltig lösen könnten. Auch die Anschaffung von 28 E-Fahrzeugen 2018/19 durch die Stadt wird kaum messbar zu einer Reduzierung der Schadstoffmengen beitragen können.

Das eigentliche Problem, den stadtfremden Abkürzungsverkehr über die Herner Straße zu unterbinden, können alle diese Vorschläge nicht lösen. Es besteht bereits ein Durchfahrtsverbot für LKW über 7,5t. Bewirkt hat dies allerdings bisher nichts. Da der Anliegerverkehr von dem Verbot ausgenommen ist, lassen sich Missachtungen in der Praxis kaum verfolgen.

Solange der Weg über die Herner Straße weniger Zeit in Anspruch nimmt als eine Fahrt über das Autobahnkreuz, wird man den Abkürzungsverkehr kaum stoppen können.

STADTGESTALTER schlagen einfache und schnelle Lösung vor um Abkürzung unattraktiv zu machen

An dieser Stelle setzt der Vorschlag der STADTGESTALTER an. Er hat das Ziel den Abkürzungsverkehr und damit den Schadstoffausstoss wie die damit verbundenen Folgebelastungen auf der Herner Straße schnellst möglich in einem signifikanten Ausmaß zu reduzieren.

Der Vorschlag sieht vor an der Autobahnausfahrt der A43 Riemke bei der Abfahrt das Fahren in Richtung Riemke zu unterbinden und nur noch eine Fahrt Richtung Herne zuzulassen. Ebenfalls soll eine direkte Auffahrt auf die Autobahn aus Riemke kommend nicht mehr möglich sein. Der Verkehr müsste zunächst die A43 unterqueren, bis zum 500 m entfernten Kreisverkehr Richtung Herne fahren und dann wieder zurück um erst dann auf die Autobahn auffahren zu können (Verkehrsführung, Vorschlag STADTGESTALTER). Wer von der A43 Richtung Riemke will, müsste den gleichen Weg über den Kreisverkehr in umgekehrter Richtung zurücklegen.

Dieser Umweg von rund 1.000m Länge würde die Fahrtzeit zwischen A43 und A40 um etwas mehr als 2 Minuten erhöhen und damit für den Abkürzungsverkehr durch Riemke unattraktiv machen. Bereits jetzt ist der Abkürzungsverkehr von der A40 in Richtung A43 beim Schwerverkehr um 12%-Punkte geringer als der Verkehr in umgekehrter Richtung (Abkürzungsverkehr), da der Verkehr nach Norden nicht direkt, sondern über eine zusätzliche Ampel über die Hofsteder Straße auf die Herner Straße fahren muss. Bereits dieser auf den ersten Blick geringfügig erscheinende Umstand führt offenbar zu einer deutlichen Reduzierung des Abkürzungsverkehrs.

Vorschlag könnte helfen die Schadstoffbelastung um bis zu 25% reduzieren

Für den Verkehr, der über die A43 nach Riemke oder von Riemke auf die A43 will, würde sich durch den vorgeschlagenen Umweg die Fahrtzeit um etwas mehr als 2 Minuten erhöhen. Dafür würde der Verkehr auf der Herner Straße zwischen A40 und A43 deutlich abnehmen. Ließe er sich um bis zu 25 %-Punkte senken, wären das im Jahr bis zu 3,65 Mio. Fahrzeuge weniger, also 10.000 pro Tag. In der Folge müsste auch die NO2-Belastung um 25 % sinken und der Grenzwert könnte zukünftig eingehalten werden. Ebenfalls würde sich das Lärmproblem deutlich reduzieren. Auch dem Stadtteilzentrum von Riemke würde die Reduzierung gut tun.

Ein kleiner Umweg könnte also eine große Wirkung haben und die drohenden Dieselfahrverbote abwenden. Zu prüfen wäre, ob es technisch möglich ist, den beschriebenen Umweg auf den Zeitraum von Montag bis Freitag zu beschränken.

Vorschlag lässt sich versuchseweise und kostengünstig umsetzen

Die Kosten für die Umsetzung des Vorschlages der STADTGESTALTER sind vergleichsweise gering. Die Sperrung der entsprechenden Auf- und Abfahrtsspuren sowie die Änderung der Beschilderung kann für einen bestimmten Zeitraum zunächst versuchsweise umgesetzt werden. Auf diese Weise ist es möglich zu verifizieren, ob sich die erhoffte Reduzierung des Abkürzungsverkehrs unter realen Rahmenbedingungen auch erreichen lässt.

Kann die Einhaltung der Grenzwerte langfristig auch durch andere Maßnahmen sichergestellt werden, ist es ohne Probleme möglich umgehend zu der aktuellen Verkehrsführung zurück zu kehren.

Wichtig ist, dass die geänderte Verkehrsführung von Anfang überwacht wird, um zu verhindern, dass diese systematisch von Verkehrsteilnehmern missachtet wird.

Die STADTGESTALTER werden ihren Vorschlag nunmehr zunächst der Bezirksregierung zwecks Prüfung vorlegen, da diese als obere Verkehrsbehörde dafür Sorge zu tragen hat, dass der Autobahnverkehr auf A40 und A43 verbleibt und nicht die Herner Straße als Abkürzung genutzt wird.

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